Vastu Grundlagen

Was macht diese zeitlose Architekturlehre so kraftvoll?

Vastu Grundlagen

Was macht diese zeitlose Architekturlehre so kraftvoll?

In der Vergangenheit war der Hausbau eine heilige Fertigkeit, bei welcher man präzise Richtlinien befolgt hat, welche das Wohlbefinden und die geistige Entwicklung der Bewohner unterstützt haben. Es war mehr als nur eine praktische Gestaltung und ein Zusammenbringen von geeigneten Materialien. Es war die Wissenschaft, ein Gebäude zu bauen, welches mit den Bewohnern in Resonanz geht, ein Gebäude welches wir unser Zuhause nennen und uns erfreut, darin zu leben, das stabil und doch dynamisch ist, das uns tief mit der Erde verwurzeln lässt und gleichzeitig energetisch offen zum Kosmos ist, das uns mit guter Gesundheit und Wohlstand nährt, das Beste aus uns heraus holt und wohl das Wichtigste: das unser Bewusstsein zu heben vermag. Die älteste von diesen überlieferten Wissenschaften fand man auf dem indischen Subkontinent. Sie wird Vaastu genannt.

Gewisse Vaastu Geheimnisse wurden nur von Meister zu würdigem Schüler weitergereicht, meist nur innerhalb Familientraditionen. Solche Meister nennt man Shilpis (Vaastu Steinmetze) oder Sthapatis (Vaastu Architekten). Wieso aber hielten diese Meister die kraftvollsten Aspekte dieser Wissenschaft verdeckt? Sicher nicht aus eigennützigen Gründen. Die Meister waren sich der profunden Wirkung der Vaastu Architektur auf die Menschen bewusst. Dies wurde mit grosser Verantwortung gehandhabt und für die praktische Umsetzung wurde tiefgreifende Expertise vorausgesetzt.

Definition von Vastu

Kurz und bündig bedeutet Vaastu: “die Energie, die ewig lebt.” Vastu, mit einem “a” ist die ursprüngliche schöpferische Energie oder Lebenskraft, welche aus eigener Kraft erstrahlt. Vaastu mit zwei “a” ist die identische ursprüngliche schöpferische Energie aber in kondensierter und somit manifestierter Form.

Dr. Ganapati Sthapati (ein herausragender Vaastu Architekt) zitiert oft Einsteins Gleichung E = mc2 als Beispiel. E verkörpert die ursprüngliche schöpferische Energie (Vastu), während mc2 die manifestierte Energie oder Materie darstellt.

“Bezüglich Materie lagen wir falsch. Was wir Materie nannten, ist Energie, deren Schwingung so herabgesetzt wurde, dass sie für die Sinne wahrnehmbar wurde. Es gibt keine Materie.“ Prof. Albert Einstein

“Vaastu ist die Wissenschaft der Manifestation von Energie in Materie oder materielle Form.“ Dr. V. Ganapati Sthapati

Unterschiede von Vastu zu Feng Shui

Feng Shui, was Wind und Wasser bedeutet, entstand aus der älteren Kan Yu Lehre, was für Himmel und Erde steht. Letztere hat viele Parallelen mit der Vaastu-Lehre. Kan Yu war ähnlich wie Vaastu, mehr eine Architektur-, als eine Korrektur- und Optimierungslehre, wie Feng Shui oft eingesetzt wird.

Gemäss verschiedenen Chinesischen Meistern kam Kan Yu vom alten Indien nach China. Man geht davon aus, dass das Wissens aus der vedischen Zeit mit der Wanderung des Buddhismus vor ca. 2500 Jahren in Richtung Asien mitgewandert ist und sich dort zu den bekannten Lehren TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) und Kan Yu, respektive Feng Shui entwickelt hat.

Wie angetönt ist Feng Shui in erster Linie darauf bedacht, mit den vorhandenen Energien zu arbeiten und diese harmonisch in Yin und Yang zu balancieren. Deshalb wurden auch viele Hilfsmittel entwickelt, welche den Energiefluss ausgleichen und verbessern sollen.

Vaastu hat wie Kan Yu den Anspruch, möglichst von Beginn weg so zu bauen, dass das Objekt zu einem Kraftort oder sein eigener Energiegenerator wird. Und wenn ein Objekt konventionell gebaut wurde, kann man versuchen, weniger günstige Aspekte zu optimieren (z.B. das heilige Zentrum freier zu gestalten, Raumanordnung entsprechend der Qualitäten der Himmelsrichtungen, etc.). Und erst wenn all diese Massnahmen umgesetzt wurden, werden Hilfsmittel eingesetzt, welche die Kraft haben, mehr Vaastu Energie in die Räumlichkeiten zu bringen.

Heilige Masse spielen im Vaastu, aber auch im Kan Yu, eine zentrale Rolle, weil beide Lehren mehr auf die Architektur ausgerichtet sind. Im Vaastu hält man diese noch immer als das Herz und die Seele des Entwurfsprozesses, wohingegen im Feng Shui nur noch wenige Experten diese sakralen Masse berücksichtigen.

Vaastu und Feng Shui sind auf jeden Fall miteinander verwandt. Für die Optimierung bestehender Objekte haben sicher beide ihre Berechtigung. Doch für die Planung und den Bau neuer Objekte empfehlen wir das Vaastu als Grundlage.

Der lebendige Raum

Die Essenz von Vaastu Architektur kann in einem wichtigen Satz zusammengefasst werden:

“Vastureva Vaastu“, was soviel bedeutet wie, es ist der feinstoffliche Raum, der sich in den manifestierten Raum wandelt.

Nach dem Verständnis von Vaastu ist das gesamte Universum, also auch das sogenannte Vakuum im All, gefüllt von kleinsten Energieteilchen. Sobald man freien Raum eingrenzt, umschliesst man eine bestimmte Anzahl dieser feinen Energieteilchen. Deshalb ist jeder Raum mit lebensspendender Energie gefüllt.

„Wenn ein Bereich freien Raums isoliert und mit vier Wänden umschlossen wird, entsteht daraus ein lebendiger Organismus und der Raum beginnt in einer bestimmten Weise zu schwingen. Wenn nun ein solches Gebäude gemäss der gleichen nummerischen Ordnung wie die der Bewohner entworfen wird, werden diese Harmonie und perfekte Vereinigung mit dem universellen Selbst erfahren.“ Dr. V. Ganapati Sthapati

Wir sehen auf Basis dieses Zitats, dass das Konzept der Resonanz (zueinander passende Schwingung) ein Schlüsselfaktor im Vaastu ist. Das Ziel der Vaastu Architektur ist es, eine Resonanz zwischen den Bewohnern, dem geschaffenen Gebäude und der umliegenden Natur herzustellen, sodass wir mit den Energien der Erde und des Kosmos verbunden werden.

Wie können wir die Frequenz bestimmen, mit welcher ein Gebäude schwingen wird?

Vaastu klärt uns auf, dass der Umfang eines Gebäudes (oder anders gesagt, die Dimension des nun umschlossenen freien Raums) die Frequenz dieses Objekts bestimmen wird. Vaastu bietet uns hier eine Reihe von mathematischen Formeln an, mit denen wir einen glücksverheißenden Umfang finden können (anstatt einfach einen willkürlichen Umfang zu wählen, welcher auch entsprechend unvorhersehbare und sehr wahrscheinlich unerwünschte Resultate nach sich zieht). Diese mathematischen Schwingungen haben bestimmte vorteilhafte Eigenschaften, die bestimmte wünschenswerte Zustände im menschlichen Körper, in der Psychologie und im Bewusstsein hervorrufen. Mit Hilfe von Vaastu Räumen, welche diese Qualitäten ausstrahlen, erfährt der Mensch dann in seinem Leben diese günstigen Eigenschaften.

Der Vaastu Effekt beruht demzufolge auf wissenschaftlichen Faktoren wie Mathematik und Geometrie, den materiellen Elementen und anderen subtilen Naturgesetzen. In der Tat weisen die Lehren von Vaastu sehr viele Parallelen zum modernen Verständnis der Quantenphysik auf.

Konzept der Resonanz

Jedes Gebäude ist ein Resonanzkörper. Das zugrundeliegende Mass definiert die Frequenz dieses Körpers. Wir haben erfahren, dass das Ziel von Vaastu ist, eine Resonanz zwischen den Bewohnern, der geschaffenen Struktur und der umliegenden Natur zu schaffen.

Wie können wir die Frequenz der Bewohner bestimmen? Dazu verwendet Vaastu den Mondstern (in Sanskrit Nakshatra) der Personen. Anhand der vedischen Astronomie und Astrologie wird die Ekliptik in 27 Hauptsterne unterteilt. Zum Geburtszeitpunkt befindet sich der Mond, aus der Perspektive der Erde, in der Nähe von einem dieser 27 Fixsterne. Dieser Stern wird dann als unser Mondstern betrachtet, welcher ein Indikator für unsere Schwingung über unser ganzes Leben ist. Wir gestalten dann das Haus mit einem Vaastu Mass, welches mit der Schwingung aller Bewohner, kenntlich gemacht durch den Mondstern, kompatibel ist.

Ein Beispiel das uns Dr. V. Ganapati Sthapati, Meister der Vaastu Architektur, gibt, sind zwei genau gleich gestimmte Saiteninstrumente, welche nebeneinander platziert werden. Wenn nun jemand eine Saite des einen Instruments anzupft, entsteht ein Ton und die gleiche Saite des anderen Instruments beginnt von sich aus zu schwingen bis auch dort ein Ton erklingt.

Wenn wir also dieses Konzept der Resonanz berücksichtigen, bauen wir nicht einfach nur schöne und energiereiche Gebäude. Diese Häuser verbinden sich auch in kraftspendender Weise mit den Bewohnern. Diese wiederum fühlen sich materiell und spirituell bereichert und kehren jederzeit glücklich nach Hause in ihre eigene Wohlfühl-Oase zurück.

Wunderbar passend zur Theorie der Resonanz zitieren wir hier das Feedback einer Familie, die in ihr Vastu-Haus eingezogen ist:

„Die ersten beiden Monate verspürten wir ein angenehmes Kribbeln, welches dann später einem Gefühl von zu Hause angekommen zu sein gewichen ist. Alle wurden viel ruhiger und wir erfahren eine schöne Harmonie in der Familie. Gleichzeitig geschieht viel Positives auf der Bewusstseinsebene.“

Ursprung

Vaastu in seiner traditionellen Form geht auf zwei Personen zurück, eine namens Vishwakarma und eine namens Brahmarishi Mayan.

Vishwakarma wird als „Hauptarchitekt des Universums“ betrachtet.

Brahmarishi Mayan war ein Rishi (Seher oder Weiser), der durch Introspektion und tiefes Studium der Natur viele universelle Prinzipien entdeckt hat. Er schrieb Abhandlungen über Architektur, Bildhauerei, Tanz, Musik, Poesie und weitere Künste, Astrophysik, Mathematik, Kräuterlehre, Kartografie, Schiffbau und andere. Das Surya Siddhanta, eine überlieferte Schrift, welche bei modernen Gelehrten hohe Anerkennung für ihr präzises Verständnis der Astronomie geniesst, ist vermutlich seine berühmteste Arbeit.

Seine grösste Entdeckung war die Mathematik hinter dem Schöpfungsprozess. Durch Introspektion verwirklichte er den Rhythmus (Laaya) der Schöpfung aller optischen und akustischen Objekte. Auf dieser Grundlage entwickelte und verfeinerte er die fünf Künste Architektur, Bildhauerei, Tanz, Poesie und Musik. Unter den fünf Künsten war für ihn die Architektur die herausragendste, da sie die dauerhafteste Wirkung auf den Betrachter oder eben den Bewohner hat. Diese Erkenntnis verleitete ihn zur folgenden Aussage:

“Architektur ist die höchste Errungenschaft der Mathematik”

Weltweite Anwendung

Trotz der indischen Herkunft Brahmarishi Mayans sind die Prinzipien des Vaastu nicht Indische sondern universelle Prinzipien. Die gleichen Grundsätze wurden von vielen verschiedenen Kulturen auf verschiedenen Kontinenten wie zum Beispiel den Mayas in Mittelamerika, den Chinesen, den Tibetern, den Japanern, Ägyptern und sogar den Römern angewendet. Auf Letztere geht die moderne westliche Architektur zurück.

Wie ist es möglich, dass all diese Kulturen die gleichen Prinzipien anzuwenden scheinen? Auf der einen Seite hatten viele Kulturen ihre Methoden, Gesetzmässigkeiten der Natur jenseits der wissenschaftlich anerkannten Naturgesetze wahrzunehmen, sich mit diesen anderen Formen der Energie zu verbinden und damit zu arbeiten. Dazu benutzten Sie Zeremonien, Rituale und Meditationen. Aber es gibt auch eine ganz bodenständige Erklärung. Wir erfahren, dass Brahmarishi Mayan zwölf Schüler hatte und er Experte für Schiffbau war. Nach dem intensiven Training seiner zwölf Schüler habe er sie in die Welt geschickt, damit die ganze Menschheit von diesen Lehren profitiert. Wir wissen, dass die Ägypter und Griechen eine enge Verbindung mit Indien hatten. Aber noch viel überraschender ist, dass Marcus Vitruvius (1. Jh. v. Chr.), ein römischer Gelehrter und Architekt, seinerzeit Kontakt zur Vaastu Tradition gehabt haben muss. Seine zehn Bücher über Architektur (viele Architekturstudenten studieren sie sogar noch heute) haben starke Gemeinsamkeiten mit dem Manasara, einer alten Vaastu Schrift. Der Inhalt und der Aufbau der Kapitel haben zu viele Gemeinsamkeiten, als dass es Zufall sein kann. Und da Vitruvius als Ursprung der modernen Architektur gilt, kann man schlussfolgern, dass Vaastu eine der wichtigsten Wurzeln europäischer Bautradition ist.

Aber nicht nur Marcus Vitruvius’, sondern auch Andrea Palladios (16. Jh. N. Chr.) und Le Corbusiers moderne Bauten zeigen enge Parallelen zu Vaastu. Die gute Nachricht für Architekturliebhaber ist, dass moderne Vastu Gebäude nicht wie Indisch anmutende Objekte aussehen müssen (ausser das wäre ausdrücklich gewünscht). Vaastu kann auf praktisch jeden modernen Designstil angewendet werden.

Optimale Zeitpunkte

Zyklen der Zeit definieren den Rhythmus unseres Lebens. Viele, die Yoga machen oder meditieren, kennen den förderlichen Einfluss der frühen Morgenstunden. Die Umwelt schläft oder wacht so langsam auf. Die täglichen Verstrickungen lassen noch auf sich warten. Das Telefon ist ruhig und nur die Vögel beginnen zu zwitschern. Im Vergleich zur hektischen Tageszeit eignet sich die Zeit also sehr gut um nach innen zu gehen.

Auch die vier Jahreszeiten bringen grundlegend verschiedene Qualitäten mit sich. Wo die Natur im Frühling erwacht, macht sie sich im Herbst bereit zum Winterschlaf.

So wie die verschiedenen Tages- und Nachtzeiten aber auch die Jahreszeiten verschiedene Qualitäten ausstrahlen, so gibt es gemäss der Überlieferung Zeitpunkte, wo das Wesen des Raumes am empfänglichsten für Neubeginne ist. Es gibt acht solche Zeitpunkte im Jahresverlauf.

Ein in der Tradition ausgebildeter Vaastu Consultant führt während diesen günstigen Momenten Zeremonien wie die Verehrung der Erde vor dem ersten Spatenstich (Bhumi-Puja), Grundsteinlegung (Vaastu-Puja), Türsetzung oder die Feier des Einzugs der Bauherren (Grihapravesh) durch. Alle diese Zeremonien dienen dazu, das Projekt in jeder Phase der Konstruktion zu segnen.