VASTU TUNING, Geschichten einer reisenden Vastu-Wohnberaterin (Teil 1)

Können umliegende Gewässer Schmerzen verstärken? (Devon, UK)

In der Ferne ertönt ein sanfter Chor blökender Schafe. Draußen ist es noch dunkel, und ich recke mich unter unserer Bettdecke und strecke meinen Arm hervor, um nach dem Wecker zu greifen: 5.30 Uhr. Die morgendliche Kühle in Verbindung mit der feuchten Luft zwingt meinen Arm, sich in die Wärme zurückzuziehen, und erinnert mich an unseren Aufenthaltsort, Devonshire an der Südküste Englands.

Wir lebten in einem umgebauten Fischerhäuschen, das von der sanften auf- und abschwellenden Flut umspült wurde. Mit dem Schleier zwischen Traum und Wachzustand noch verschwommen, ist das Erinnern an unseren Aufenthaltsort als Vollzeit-Housesitter eine der schwierigeren Aufgaben.

Als Haussitter um die Welt zu ziehen, hat sich als eine der aufregendsten Entscheidungen erwiesen, die wir je in unserem Leben getroffen haben. Wir haben unser bisheriges Hab und Gut auf nur zwei 23 kg schwere Koffer und einen winzigen Stauraum von je 2 m² reduziert.

Es ist spannend, in den Häusern anderer Leute zu leben. Sobald der Reiz eines neuen Ortes nachlässt und Touristen normalerweise weiterziehen würden, bleiben wir vor Ort und richten uns erst ein.

Kontinuierliche Ortswechsel und die mehrmonatige Eingewöhnung lassen uns die feinen wohnlichen Unterschiede bewusster wahrnehmen und analysieren —ein perfektes Testgelände für Vastu.

Unser Haus befand sich in einer außergewöhnlichen Lage, direkt am Rande des Gezeiteneinlaufs des Meeres. Bei jeder Flut war das Haus um 180° von Meerwasser umgeben, so dass die Zufahrt und die Nachbarn vom Haus abgetrennt und nur über eine Brücke zugänglich waren.

Wir wurden zusätzlich zur regelmässigen Flut, auch auf eine mögliche Überschwemmung von den Hausbesitzern vorbereitet, welche in der Regel als Kombination von besonders hohem Wasserstand und viel Regen auftreten —eine Verbindung, die mir in Anbetracht des englischen Wetters eine hohe Wahrscheinlichkeit betrug. Wenn diese Bedrohung plausibel wird, müssen vorsichtshalber die Fluttore in Stellung gebracht werden, eines an der Einfahrt und ein zweites vor dem Hauseingang.

Eines Morgens, nach einer bereits unruhigen stürmischen Nacht, wachte ich mit leichten Kopfschmerzen und starken Ohrenschmerzen auf. Als ob das nicht genug wäre, hatte ich auch noch meine Menstruation mit ungewöhnlich starken Unterleibsschmerzen.

Als ich aus dem Fenster sah, bemerkte ich erst die ausserordentlich hohe Flut an diesem Morgen, welche die umliegenden Grundstücksmauern von Nordwesten nach Süden komplett umspülte, so dass der Eindruck einer Insel — wenn nicht gar eines Atolls — entstand. Das angesammelte Regen- und Flutwasser musste aus unserem Garten abgepumpt werden.

Selbe Sicht, jedoch mit extremem Hochwasser

In diesem Moment erinnerte ich mich an einen der wichtigsten Grundsätze des Vastu, nämlich dem multiplizierenden Aspekt von umliegendem Wasser, wobei das Haus in seiner Beziehung zum Wasser der entscheidende Faktor ist, ob es sich positiv oder negativ auswirkt. Die Analysierung der Form und Ausrichtung des Gebäudes lieferte bereits den ersten Hinweis: eine L-Form, mit der Öffnung nach Südosten, für einen Verlust an Energie stehend. Das Energiegitter der Erde fließt vom Wahren Norden (auch geografischer Norden genannt) nach Süden und vom Osten nach Westen. Daher wäre die optimale Öffnung eines L-förmigen Hauses mit den Flügeln nach Norden und Osten ausgerichtet, um die Energie zu empfangen.

Darüber hinaus war das Zentrum des Hauses, auch Brahmasthan genannt, durch die Stützmauern blockiert.

Diese unglücklichen Eigenschaften des Hauses und der Meereseinlass im Südwesten — dem Element Erde des Hauses in Kombination mit den extremen Gezeiten, könnten zur Verstärkung der bereits bestehenden physischen Konstitutionen beigetragen haben.

Es hat nichts Magisches an sich. Vastu gibt uns lediglich die Werkzeuge in die Hand, um den Energiefluss der Erde in unsere Häuser einzuladen, zu optimieren und zu ernten, um ihn dann in Dankbarkeit wieder freizugeben. Eine perfekte Symbiose.

Da wir in einem fremden Haus wohnten, konnte ich es nicht so optimieren, wie ich es in einer Beratung hätte tun können: Ich hätte zunächst einen Energiezaun geschaffen, entweder die vorhandenen Steinmauern entsprechend angepasst, um den energetischen Einfluss der unglücklichen Positionierung des Hauses in Bezug auf das umgebende Wasser zu trennen. Oder er könnte so einfach und kostengünstig sein wie vier Holzpfähle, die durch ein Sisalseil verbunden sind, oder eleganter: vier Kupferstangen an jeder Ecke. Im besten Fall sollte der Zaun einen Mindestabstand von drei Metern parallel zu den Hauswänden haben und jeder Pfahl mindestens 60 Zentimeter über dem Boden liegen.

Aber diese Entscheidung lag nicht bei uns und ich beschloss mich für eine provisorische Abhilfe: Ich stärkte stattdessen das Element Erde, indem ich eine große Zierwurzel in die grasbewachsene Gartenecke im Südwesten platzierte und eine Holzdekoration in ein Fenster mit der gleichen Ausrichtung versetzte. Das genügte für den Moment.

 

 

Über die Autorin

Jana und ihr Lebenspartner Joe nutzen eine unerwartete Kursänderung im 2019 und hängen kurzerhand ihre Jobs an den Nagel, tauschen ihr eingespieltes Leben mit eigener Firma, Heim, Freunden und Familie gegen je einen 23kg Koffer und ein Leben als Vollzeit-Housesitter.

5 Jahre, 15 Länder, 26 Häuser und über 40 Haustiere später ist es Jana als Vastu Wohnberaterin ein Anliegen ihre vielfältigen Erkenntnisse zu nutzen, Gärten, Wohn- und Arbeitsräume zu optimieren, und somit die Harmonie, das Wohlbefinden und das Potenzial der darin lebenden Menschen langfristig zu fördern.

Während ihrer Zeit in Mittelamerika baute das Paar ihr eigenes ‚Vastu-Tiny-House‘ und forstete einen Hektar Weideland zu einem tropischen Permakultur-Garten auf.

Durch Janas feinsinnige und praktische Art greift sie im Besonderen auch individuelle Bedürfnisse für zB. Kinder, Haustiere, Start-ups etc. auf, welche sie in die Beratung einfliessen lässt.

Als erfolgreiche Modedesignerin ihrer Marke Royal Blush, Messegründerin des Greenshowrooms (umbenannt nach Neonyt) und Shop-Inhaberin prägte die Schweizer Unternehmerin mit ihrem Schaffen über ein Jahrzehnt den Weg für ganzheitliche, biologische und fair gehandelte Modemarken. Ihre Designs werden unter anderem von Hollywood Stars wie Jessica Alba, Eric Roberts und Daphne Zuniga von Melrose Place getragen.

Heute genießt Jana weiterhin ein Leben als digitale Nomadin und widmet ihre Zeit der Arbeit als Vastu-Wohnberaterin und Autorin, und hilft damit Menschen wieder in ihre Kraft zu kommen. Gerne berät sie auch unsere internationalen Kunden auf Englisch.

www.vastu-spaces.com